The Brewer

West Coast IPA: Die Rückkehr des Königs

West Coast IPA: Bitter, Klar und Trocken

Ein Jahrzehnt lang hat das “Hazy” oder New England IPA (NEIPA) die Craft-Beer-Szene mit seiner niedrigen Bitterkeit und saftartigen Opazität dominiert. Aber das Pendel schwingt zurück. Das West Coast IPA (WCIPA) erlebt eine massive Wiederbelebung.

Im Gegensatz zum weichen, süßen NEIPA ist ein West Coast IPA:

  • Klar: Du solltest eine Zeitung hindurch lesen können.
  • Bitter: Es hat einen festen, harzigen Biss (50–70+ IBU).
  • Trocken: Es endet knackig und ermutigt zu einem weiteren Schluck.
  • Dank: Geschmacksprofile neigen zu Kiefer, Zitrusschale und Harz (statt tropischem Saft).

Die Richtlinien (BJCP 21A)

  • Stammwürze (OG): 1.056 – 1.070
  • Endvergärungsgrad (FG): 1.008 – 1.014 (Hauptunterschied zum Hazy!)
  • ABV: 6,3 % – 7,5 %
  • IBU: 50 – 70+

Schüttung: Weniger ist mehr

In den frühen 2000ern verwendeten IPAs schwere Karamell-/Crystal-Malze (Crystal 40/60), was sie bernsteinfarben und süß machte. Moderne West Coast IPAs verwenden fast kein Crystal-Malz. Wir wollen, dass das Malz dem Hopfen aus dem Weg geht.

  • Basis: 90–95 % Pale Ale Malz (2-Row) oder Pilsner Malz.
  • Struktur: 5 % Dextrinmalz (Carapils) für Schaum oder vielleicht 2–3 % Münchner für ein kleines bisschen Farbe.
  • Zucker: 5–10 % Dextrose (Maiszucker) wird oft zum Kochen hinzugefügt, um das Bier auszutrocknen und den ABV zu steigern, ohne Körper hinzuzufügen.

Wasserchemie: Der Sulfat-Hammer

Das ist das genaue Gegenteil des Helles- oder NEIPA-Profils. Du brauchst Gips (Kalziumsulfat).

  • Sulfat: 150 – 300 ppm.
  • Chlorid: <50 ppm.
  • Sulfat:Chlorid Verhältnis: 4:1 oder höher.
  • Effekt: Sulfat macht die Wahrnehmung der Hopfenbitterkeit “knackig” und “scharf”. Es streift Malzsüße ab.

Hopfen: Die “C”-Hopfen

Während du Citra und Mosaic verwenden kannst, liegt die Seele des West Coast IPA in den Klassikern:

  • Cascade: Grapefruit, blumig.
  • Centennial: “Super Cascade”, blumig, zitrusartig.
  • Columbus (CTZ): Dank, harzig, kräuterig, stechend.
  • Simcoe: Kiefer, Erde, Passionsfrucht.
  • Amarillo: Orangenschale.

Der Zeitplan

Im Gegensatz zu Hazies (die alle Whirlpool/Kalthopfung sind), braucht WCIPA kochenden Hopfen.

  1. 60 Min: Eine feste Bittergabe (Columbus/Magnum), um 30–40 IBUs zu erreichen.
  2. 10 Min / Whirlpool: Geschmackszugaben.
  3. Kalthopfung: Ja, aber leichter als bei einem NEIPA (4–8 g/Liter).

Hefe: Sauber und Neutral

Du willst hier keine Hefe-Ester.

  • Chico Stamm (US-05 / WLP001 / Wyeast 1056): Der Industriestandard. Vergärt sauber, flockt relativ gut und betont Hopfen.
  • San Diego Super Yeast (WLP090): Vergärt schneller und flockt härter als Chico.

Brautechnik: Der “klare” Weg

  1. Niedrig maischen: Maische bei 64°C – 65°C. Wir wollen hohe Vergärbarkeit (trockener Abgang).
  2. Kochen: Kräftiges Kochen.
  3. Klärmittel: Verwende Whirlfloc/Irish Moss im Kochen.
  4. Biofine / Gelatine: Füge Klärmittel im Keg oder Fermenter während des Cold Crash hinzu. Visuelle Klarheit ist ein Kennzeichen des Stils.

Zusammenfassendes Rezept: “Harzbombe”

  • Getreide: 5,4 kg Pale 2-Row, 0,23 kg Carapils, 0,23 kg Dextrose.
  • Wasser: 250 ppm Sulfat, 50 ppm Chlorid.
  • Maischen: 65 °C.
  • Hopfen:
    • 60 Min: 28 g Columbus (45 IBU).
    • 10 Min: 28 g Centennial.
    • Whirlpool: 56 g Simcoe, 56 g Amarillo.
    • Kalthopfung: 85 g Simcoe/Centennial Mischung.
  • Hefe: US-05.
  • Daten: OG 1.065, FG 1.010, IBU 65.

Fazit

Ein großartiges West Coast IPA ist eine Studie in Struktur. Es steht groß, hell und bitter da. Es überzieht deine Zunge nicht mit Zucker; es schrubbt sie mit Hopfen sauber.