Wassersalze: Sulfat vs. Chlorid Verhältnis
Sulfat vs. Chlorid: Das Gewürz des Bieres
Du hast dein Rezept. Du hast deinen Maische-pH. Aber dein Bier fühlt sich immer noch “flach” oder “langweilig” an im Vergleich zur kommerziellen Version. Das fehlende Glied ist wahrscheinlich das Sulfat-zu-Chlorid-Verhältnis.
Denke an Brausalze (Gips und Kalziumchlorid) als Salz und Pfeffer für dein Bier. Sie fügen nicht nur Geschmack hinzu; sie verändern die Textur und den Abgang.
Die Spieler
Sulfat (SO4) -> Der “Knackig”-Knopf
- Quelle: Gips (Kalziumsulfat) oder Bittersalz (Magnesiumsulfat).
- Effekt: Betont Hopfenbitterkeit. Macht den Abgang trocken, knackig und scharf.
- Stil: West Coast IPA, Pilsner.
Chlorid (Cl) -> Der “Rund”-Knopf
- Quelle: Kalziumchlorid (CaCl) oder Tafelsalz (NaCl).
- Effekt: Betont Malzsüße. Fügt Körper, Fülle und “Cremigkeit” zum Mundgefühl hinzu.
- Stil: NEIPA, Stout, Porter.
Das Verhältnis
Es geht nicht nur um die Gesamtmenge (ppm); es geht um die Balance zwischen den beiden.
1. West Coast IPA (Das bittere Ende)
Du willst, dass der Hopfen schnappt.
- Zielverhältnis: 2:1 bis 4:1 (Sulfat:Chlorid).
- Beispiel: 200 ppm Sulfat / 50 ppm Chlorid.
- Ergebnis: Das Bier endet trocken und drängt dich, einen weiteren Schluck zu nehmen. Die Bitterkeit verweilt.
2. New England IPA (Der Saft)
Du willst weichen, kissenartigen Saft.
- Zielverhältnis: 1:2 bis 1:3 (Sulfat:Chlorid).
- Beispiel: 75 ppm Sulfat / 150 ppm Chlorid.
- Ergebnis: Die Bitterkeit ist abgerundet. Das Bier fühlt sich dicker und glatter auf der Zunge an.
3. Ausgewogen (Der Klassiker)
Für Pale Ales, Ambers oder Brown Ales.
- Zielverhältnis: 1:1.
- Beispiel: 75 ppm Sulfat / 75 ppm Chlorid.
- Ergebnis: Weder hopfig noch malzig. Einfach Bier.
Wie man berechnet
Du kannst das nicht im Kopf machen. Du brauchst einen Wasserrechner (Brewfather, Bru’n Water).
- Gib dein Ausgangswasser ein: Wenn du Umkehrosmosewasser verwendest, sind das alles Nullen. Wenn du Leitungswasser nimmst, brauchst du einen Wasserbericht.
- Wähle ein Zielprofil: Wähle “Hopfig”, “Malzig” oder “Ausgewogen”.
- Salze hinzufügen: Die Software sagt dir genau, wie viele Gramm Gips oder Kalziumchlorid du zu deinem Maische- und Nachgusswasser hinzufügen musst.
Warnung: Die Decke
Dreh nicht durch.
- Zu viel Sulfat (>300 ppm): Kann mineralisch, kreidig oder wie zerstoßenes Aspirin schmecken.
- Zu viel Chlorid (>200 ppm): Kann salzig schmecken oder das Bier “schlaff” und schwer machen.
Fazit
Das Anpassen deines Sulfat/Chlorid-Verhältnisses ist der billigste Weg, dein Bier zu verbessern. Für Centbeträge pro Sud kannst du ein verwirrtes IPA in einen rasierklingenscharfen West Coast Banger oder eine weiche Hazy Fruchtbombe verwandeln.