The Brewer

Märzen vs Festbier: Der wahre Geschmack des Oktoberfests

Märzen vs Festbier: Eine Geschichte von zwei Lagerbieren

Wenn Sie im September in Amerika in ein Spirituosengeschäft gehen, sehen Sie Regale voller bernsteinfarbener Lagerbiere mit der Aufschrift “Oktoberfest”. Wenn Sie während des eigentlichen Oktoberfests in München in ein Bierzelt gehen, wird Ihnen ein goldenes, helles Lagerbier serviert.

Beide sind köstlich. Beide sind “Oktoberfest”-Biere. Aber es sind völlig unterschiedliche Stile.

1. Die Geschichte: Eine königliche Hochzeit

Das Oktoberfest begann am 12. Oktober 1810, um die Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern mit Prinzessin Therese zu feiern. Die Münchner Bürger waren auf die Felder vor den Stadttoren (Theresienwiese) eingeladen, um zu feiern.

Das damals servierte Bier war nicht das helle Lager, das wir heute kennen. Es war dunkel, rauchig und schwer – wahrscheinlich ein Dunkel.

2. Das Märzen: Das ursprüngliche “Märzenbier”

Vor der Kühlung war das Brauen im Sommer in Bayern aufgrund von Verderbnisbakterien illegal.

  • Das Gesetz: Das Brauen war zwischen dem Georgitag (23. April) und dem Michaelitag (29. September) verboten.
  • Die Lösung: Brauer machten im März Überstunden, um starke, malzige Biere zu brauen. Sie lagerten diese Fässer in kühlen Höhlen/Kellern, die mit im Winter aus den Flüssen geerntetem Eis gefüllt waren.
  • Der Geschmack: Als der Herbst kam, war das “Märzenbier” (Märzen) zu einem reichen, gerösteten, bernsteinfarbenen Lagerbier mit Noten von Brotkruste und Karamell gereift. Dies war das Bier, das über 100 Jahre lang auf dem Oktoberfest serviert wurde.

3. Das Festbier: Der goldene Modernist

Im späten 20. Jahrhundert verschob sich der Geschmack der Verbraucher hin zu leichteren Bieren (Pilsner und Helles). Das schwere, sättigende Märzen wurde “zu viel” für ein Fest, bei dem die Leute literweise trinken (Maß).

  • Die Änderung: In den 1970er und 90er Jahren entwickelten die Münchner Brauereien (Paulaner, Augustiner, Hofbräu usw.) eine leichtere Version.
  • Das Ergebnis: Festbier (oder Wiesn-Bier). Es ist golden wie ein Helles, aber stärker (6,0% ABV). Es ist weniger malzig, süffiger und darauf ausgelegt, in großen Mengen konsumiert zu werden.
  • Heute: Wenn Sie heute nach München gehen, trinken Sie Festbier. Wenn Sie in den USA “Oktoberfest” kaufen, trinken Sie wahrscheinlich Märzen.

4. Die Stile brauen

Märzen-Profil

  • Farbe: Bernstein / Kupfer.
  • Malz: Dominanz von reichem Münchner Malz.
  • Geschmack: Geröstetes Brot, Keks, Karamellsüße (aber trockener Abgang).
  • Hopfen: Gerade genug, um auszugleichen (Edelhopfen).

Festbier-Profil

  • Farbe: Tiefgold.
  • Malz: Hauptsächlich Pilsner Malz mit einem Hauch von Wiener oder Münchner Malz für Tiefe.
  • Geschmack: Teigig, leicht geröstet, blumige Hopfennote.
  • Hopfen: Etwas mehr Hopfencharakter als ein Märzen, aber immer noch malzbetont.

5. Food Pairing: Der bayerische Tisch

Diese Biere wurden buchstäblich entworfen, um mit bayerischem Essen gegessen zu werden.

  • Brathendl: Die Karamellnoten eines Märzen passen perfekt zur knusprigen Haut eines Brathähnchens.
  • Brezn: Das Salz auf der Brezel schneidet durch die Malzsüße und macht Lust auf einen weiteren Schluck.
  • Würste (Weißwurst/Bratwurst): Der saubere Lager-Abgang reinigt den Gaumen nach fettiger Schweinswurst.
  • Schweinshaxe: Gebratene Schweinshaxe mit Kruste. Die ultimative Paarung für einen Liter Festbier.

Fazit

Also, welches ist das “echte” Oktoberfestbier?

  • Märzen ist der historische Champion, voller Nostalgie und herbstlichem Komfort.
  • Festbier ist der moderne König, die Seele der Party.

Als Brauer oder Trinker müssen Sie sich nicht entscheiden. Brauen Sie im März ein Märzen, lagern Sie es den ganzen Sommer und zapfen Sie es im September an. Brauen Sie dann ein frisches Festbier, um es dazu zu trinken. Prost!